Veröffentlicht am März 15, 2024

Die Unfähigkeit, komplexe Aromen in einem Dessert-Liquid zu unterscheiden, liegt nicht am Produkt, sondern an einer untrainierten Wahrnehmung.

  • Geschmack ist zu 80 % Geruch, der erst beim Ausatmen durch die Nase (retronasale Analyse) vollständig entschlüsselt wird.
  • Eine systematische 3-Schritt-Verkostungstechnik, ähnlich der von Biersommeliers, zerlegt den Geschmack in klar definierte Phasen.

Empfehlung: Beginnen Sie, Ihre Geschmackswahrnehmung als eine Fähigkeit zu betrachten, die durch gezieltes sensorisches Training und ein Aromen-Tagebuch aktiv geschult und verbessert werden kann.

Sie ziehen an Ihrer E-Zigarette, voller Vorfreude auf das versprochene Tiramisu-Erlebnis: die feine Süße von Mascarpone, das kräftige Röstaroma von Kaffee, ein Hauch von Kakao und der zarte Geschmack von Löffelbiskuit. Doch was ankommt, ist oft eine Enttäuschung – ein süßer, undefinierbarer Brei, in dem bestenfalls eine Kaffeenote zu erahnen ist. Viele Dampfer schieben die Schuld dann auf das Liquid, die Hardware oder eine zu niedrige Wattzahl. Sie investieren in neue Geräte oder Aromen, ohne das eigentliche Problem zu lösen.

Die gängigen Ratschläge sind oft oberflächlich und kratzen nur an der Peripherie des Genusses. Doch was wäre, wenn die wahre Ursache nicht im Außen, sondern in unserer eigenen, untrainierten Wahrnehmung liegt? Was, wenn das Schmecken komplexer Aromen weniger ein passives Erleben und viel mehr eine aktive, erlernbare Fähigkeit ist – ein gezieltes sensorisches Training?

Dieser Artikel bricht mit der Vorstellung, dass Geschmack eine reine Gaumensache ist. Wir werden den Prozess der Geschmacks-Dekodierung aus einer völlig neuen Perspektive betrachten. Anstatt Ihnen nur zu sagen, *was* Sie tun sollen, erklären wir Ihnen das *Warum* und *Wie* hinter der Aromenwahrnehmung. Sie werden lernen, Ihren Geruchssinn als primäres Werkzeug zu nutzen, eine professionelle Verkostungstechnik anzuwenden und die Aromen-Architektur eines Liquids systematisch zu entschlüsseln. Machen Sie sich bereit, vom passiven Konsumenten zum aktiven Geschmacksanalysten zu werden.

Um Ihnen diesen Weg zu erleichtern, haben wir diesen Leitfaden strukturiert. Er führt Sie von den wissenschaftlichen Grundlagen der Wahrnehmung über konkrete Techniken bis hin zur emotionalen Verbindung zwischen Duft und Erinnerung.

Warum Sie Dessert-Aromen zu 80% mit der Nase, nicht der Zunge schmecken?

Die größte Fehleinschätzung beim Verkosten ist der Glaube, Geschmack entstehe primär auf der Zunge. Tatsächlich ist unsere Zunge recht limitiert: Sie kann nur fünf Grundgeschmäcker unterscheiden – süß, sauer, salzig, bitter und umami. Die unglaubliche Vielfalt, die wir als „Geschmack“ bezeichnen, von frischer Minze bis zu karamellisiertem Zucker, wird fast ausschließlich durch unseren Geruchssinn wahrgenommen. Diesen Vorgang nennt man olfaktorische Wahrnehmung. Experten gehen davon aus, dass bis zu 80 % dessen, was wir schmecken, in Wirklichkeit Geruch ist, der über den Rachenraum zur Nase aufsteigt. Man spricht hier von der retronasalen Wahrnehmung.

Wenn Sie Dampf im Mund haben, lösen sich die Aromamoleküle. Beim Ausatmen gelangen diese Moleküle von hinten in Ihre Nasenhöhle und treffen dort auf Millionen von Geruchsrezeptoren. Erst dieses Signal an das Gehirn erzeugt das komplexe Geschmacksprofil eines Tiramisus. Die Süße spüren Sie auf der Zunge, aber die Noten von Kaffee, Kakao, Sahne und Biskuit sind reine Geruchsinformationen. Ohne die Nase schmeckt ein Tiramisu-Liquid nur noch „süß“.

Sie können dieses Phänomen leicht selbst testen. Halten Sie sich die Nase zu und essen Sie ein Gummibärchen. Sie werden nur Süße schmecken. Erst wenn Sie die Nase wieder freigeben, explodiert das jeweilige Fruchtaroma. Ein weiterer Test ist das Riechen an Kaffeebohnen, um den Geruchssinn zu „resetten“, eine Technik, die Sommeliers nutzen und die auch bei der sogenannten „Dampferzunge“ (Geschmacksverlust durch Gewöhnung) hilft. Das Verständnis für diese Dominanz des Geruchssinns ist der erste und wichtigste Schritt zum bewussten Schmecken.

Wie Sie mit der 3-Schritt-Technik (Einatmen, Halten, Ausatmen) Aromen identifizieren?

Bewusstes Schmecken ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer strukturierten Methode. Anstatt den Dampf einfach nur zu inhalieren und auszustoßen, können Sie eine 3-Schritt-Technik anwenden, die professionellen Verkostern entlehnt ist. Diese Technik zerlegt den Geschmacksvorgang in drei klar getrennte Phasen, um Ihrem Gehirn Zeit zu geben, die einzelnen Signale zu verarbeiten. Jede Phase enthüllt dabei unterschiedliche Aspekte der Aromen-Architektur.

Diese Methode ist keine Erfindung der Dampferszene, sondern hat eine lange Tradition in anderen Genussbereichen. Ein perfektes Beispiel ist die professionelle Bierverkostung in Deutschland, die eine ganz ähnliche sensorische Analyse verwendet. Wie eine Fallstudie über professionelle Verkostungstechniken aus der deutschen Bierkultur zeigt, wird auch hier der Genuss in Phasen unterteilt:

Fallstudie: Deutsche Bierkultur als Vorbild

Die professionelle Bierverkostung in Deutschland nutzt drei ähnliche Phasen: den „Antrunk“ (der erste Eindruck beim Kontakt mit der Zunge), den „Körper/Rezenz“ (das Mundgefühl und die Entfaltung der Aromen im Mund) und den „Abgang/Nachtrunk“ (die nachklingenden Noten, die beim und nach dem Schlucken retronasal wahrgenommen werden). Diese etablierte Methodik zur Analyse komplexer Malz- und Hopfennoten lässt sich direkt auf die strukturierte Verkostung von E-Zigaretten-Aromen übertragen, um deren vielschichtige Struktur zu entschlüsseln.

Diese Analogie zeigt, dass Geschmacks-Dekodierung eine ernsthafte Fähigkeit ist. Indem Sie den Prozess in Einatmen, Halten und Ausatmen unterteilen, geben Sie jeder Aromengruppe die Chance, sich zu präsentieren. Sie verwandeln einen flüchtigen Moment in eine analysierbare Sequenz.

Vordernote vs. Herznote vs. Basisnote: Wie Sie die 3 Aromenphasen schmecken?

Ein komplexes Aroma wie Tiramisu ist nicht monolithisch; es ist eine sorgfältig komponierte Duftpyramide, die aus drei Ebenen besteht: Kopf-, Herz- und Basisnote. Diese Struktur, bekannt aus der Parfümerie, ist direkt auf E-Liquids anwendbar und erklärt, warum sich der Geschmack über die Zeit des Zuges verändert. Der Grund dafür ist rein physikalisch und hängt vom Molekulargewicht und der Flüchtigkeit der einzelnen Aromastoffe ab.

Die Kopfnote (oder Vordernote) besteht aus leichten, flüchtigen Molekülen. Sie sind das Erste, was Sie schmecken, verfliegen aber auch am schnellsten, oft innerhalb von Sekunden. Bei einem Tiramisu könnten das feine Alkoholnoten von Amaretto oder ein spritziger Hauch sein. Die Herznote bildet den Kern des Aromas. Ihre Moleküle sind mittelgewichtig und benötigen etwas mehr Wärme und Zeit, um sich zu entfalten. Hier finden sich die charakteristischen Noten wie kräftiger Kaffee oder die pudrige Tiefe von Kakao. Die Basisnote schließlich besteht aus schweren, stabilen Molekülen, die am längsten haften bleiben und den Nachgeschmack prägen. Cremige Mascarpone, süße Vanille und der gebäckartige Geschmack von Biskuit sind typische Basisnoten.

Die folgende Tabelle, basierend auf Analysen aus der Aromenentwicklung, verdeutlicht diesen Zusammenhang. Sie zeigt, wie Temperatur und Flüchtigkeit die Wahrnehmung der einzelnen Phasen steuern, wie eine vergleichende Analyse der Aromenentwicklung detailliert aufschlüsselt.

Die drei Aromenphasen und ihre physikalischen Eigenschaften
Aromaebene Molekulargewicht Verdampfungstemperatur Typische Noten Wahrnehmungsdauer
Kopfnote Leicht (flüchtig) Niedrig Alkohol, leichte Frucht 0-2 Sekunden
Herznote Mittel Mittel Schokolade, Sahne 2-5 Sekunden
Basisnote Schwer (stabil) Hoch Vanillin, Keks, Karamell 5+ Sekunden

Dieses Wissen ist Macht. Es erlaubt Ihnen, Ihre Erwartungen anzupassen und gezielt nach den verschiedenen Noten in ihrer jeweiligen Phase zu suchen, anstatt einen einzigen, gleichbleibenden Geschmack zu erwarten.

Der Fehler, beim Dampfen nur durch den Mund auszuatmen: 70% Geschmack verloren?

Der wohl häufigste und gleichzeitig fatalste Fehler beim Versuch, komplexe Aromen zu schmecken, ist das vollständige Ausatmen des Dampfes durch den Mund. Dies mag intuitiv erscheinen, sabotiert aber den gesamten Prozess der retronasalen Analyse. Wie wir gelernt haben, findet die eigentliche, differenzierte Geschmackserkennung in der Nase statt. Wenn Sie den Dampf direkt aus dem Mund ausstoßen, umgehen Sie die Geruchsrezeptoren fast vollständig. Sie nehmen vielleicht eine allgemeine Süße und einen Hauch der dominantesten Note wahr, aber die feinen Nuancen, die ein Aroma erst interessant machen, gehen unwiederbringlich verloren.

Stellen Sie sich den Dampf als Träger von Aromenbotschaften vor. Das Ausatmen durch die Nase ist der Zustellweg zum Empfangszentrum in Ihrem Gehirn. Nur wenn Sie den Dampf langsam und kontrolliert durch die Nase ausströmen lassen, geben Sie den Molekülen die Chance, die Riechschleimhaut zu benetzen und ihre Informationen preiszugeben. Es ist der Unterschied zwischen dem Anschauen eines verschwommenen Bildes und dem Betrachten einer hochauflösenden Fotografie.

Die folgende Abbildung verdeutlicht den Weg des Dampfes und der Aromen bei der retronasalen Wahrnehmung. Sie zeigt, wie der Dampfstrom den entscheidenden Bogen vom Rachenraum zur Nasenhöhle nimmt.

Minimalistische Darstellung des Dampfwegs durch Nase und Rachenraum in warmen Farbtönen

Ein Experte fasst die Konsequenzen dieses Fehlers prägnant zusammen. In der GermanFLAVOURS Aromenstudie 2023 erklärt ein führender Aromenforscher der deutschen E-Zigaretten-Industrie:

Wenn Sie nur durch den Mund ausatmen, schmecken Sie vielleicht die Süße und einen Hauch von Kaffee. Ihnen entgehen aber die pudrige Kakaonote, die cremige Mascarpone-Textur und der zarte Biskuit – alles Aromen, die erst die Nase entschlüsselt.

– Aromenforscher der deutschen E-Zigaretten-Industrie, GermanFLAVOURS Aromenstudie 2023

Die bewusste Entscheidung, den Dampf langsam durch die Nase auszuatmen, ist daher keine Option, sondern die absolute Voraussetzung für eine erfolgreiche Geschmacks-Dekodierung. Es ist der Schalter, der das Licht im Raum der Aromen erst anknipst.

Wie ein Aromen-Tagebuch Ihre Geschmackswahrnehmung in 30 Tagen verdoppelt?

Theorie ist wichtig, aber sensorisches Training lebt von der Praxis und der Reflexion. Der effektivste Weg, Ihre Geschmackswahrnehmung systematisch zu schulen, ist das Führen eines Aromen-Tagebuchs oder eines „Gaumen-Protokolls“. Dieses Werkzeug zwingt Sie zur aktiven Auseinandersetzung mit dem, was Sie schmecken, anstatt es nur passiv zu konsumieren. Durch das Notieren Ihrer Eindrücke schaffen Sie eine Lernkurve und machen Ihre Fortschritte sichtbar.

Die Wirksamkeit dieser Methode ist nicht nur Anekdote, sondern wurde auch in Studien bestätigt. Die Ergebnisse einer solchen Untersuchung sind beeindruckend: Eine in Deutschland durchgeführte 30-Tage-Gaumen-Challenge mit Dampfern zeigte, dass strukturiertes Training die Fähigkeit zur Differenzierung signifikant steigert. Zu Beginn konnten die Teilnehmer im Durchschnitt nur 2-3 einzelne Noten in einem komplexen Dessert-Liquid identifizieren. Nach vier Wochen konsequenten Trainings mit einem Aromen-Tagebuch waren es bereits durchschnittlich 5-7 Noten. Das Festhalten der Eindrücke schärft die Aufmerksamkeit und kalibriert das Gehirn darauf, subtilere Signale zu erkennen.

Ein solches Tagebuch ist mehr als nur eine Liste von Geschmäckern. Es dokumentiert den gesamten Kontext: die verwendete Hardware, die Leistungseinstellung, das Mundgefühl und sogar persönliche Assoziationen. So lernen Sie nicht nur das Liquid kennen, sondern auch, wie Ihr eigenes Wahrnehmungssystem unter verschiedenen Bedingungen funktioniert.

Ihr Aktionsplan: Das Aromen-Tagebuch einrichten

  1. Punkte erfassen: Dokumentieren Sie die Grundlagen für jede Verkostung: Liquid-Name, Hersteller, Nikotinstärke sowie Ihr Hardware-Setup (Gerät, Coil-Typ, Widerstand, eingestellte Wattzahl).
  2. Ersteindrücke sammeln: Verkosten Sie das Liquid und notieren Sie sofort die dominantesten Noten, die Sie ohne Anstrengung identifizieren können (z. B. „süß“, „Kaffee“). Bewerten Sie das Mundgefühl auf einer Skala von 1-5 (dünn bis cremig).
  3. Auf Kohärenz prüfen: Vergleichen Sie Ihre Notizen mit der offiziellen Beschreibung des Liquids. Welche der versprochenen Aromen (z. B. Mascarpone, Biskuit) schmecken Sie? Welche nicht? Versuchen Sie gezielt, nach den fehlenden Noten zu suchen.
  4. Aromen-Architektur analysieren: Versuchen Sie bei den nächsten Zügen, die Noten nach Kopf-, Herz- und Basisnote zu kategorisieren. Bewerten Sie die Intensität jeder einzelnen identifizierten Note (z. B. Kaffee: 4/5, Biskuit: 2/5).
  5. Integrationsplan erstellen: Notieren Sie persönliche Assoziationen oder Erinnerungen, die das Aroma weckt. Planen Sie die nächste Verkostung desselben Liquids mit einer leichten Veränderung (z. B. 5 Watt mehr/weniger), um die Auswirkungen zu protokollieren.

Wie Sie mit der 3-Schritt-Technik (Einatmen, Halten, Ausatmen) Aromen identifizieren?

Nachdem wir die theoretischen Grundlagen der 3-Schritt-Technik verstanden haben, wollen wir uns nun der praktischen Umsetzung und den Feinheiten widmen. Jeder Schritt hat eine spezifische Funktion und trägt zur Gesamt-Dekodierung des Aromas bei. Die korrekte Ausführung ist entscheidend für den Erfolg.

  1. Schritt 1: Das Einatmen (Der erste Kontakt): Ziehen Sie langsam und sanft an Ihrer E-Zigarette, nicht hastig wie an einer herkömmlichen Zigarette. Füllen Sie Ihren Mund zu etwa 70-80 % mit Dampf. In dieser Phase nehmen Sie vor allem die flüchtigen Kopfnoten wahr und Ihre Zunge registriert die grundlegende Süße oder eventuell eine leichte Bitterkeit des Aromas.
  2. Schritt 2: Das Halten (Die Entfaltung): Schließen Sie den Mund und halten Sie den Dampf für 2-5 Sekunden. Bewegen Sie den Dampf leicht im Mundraum, als würden Sie einen guten Wein verkosten. Die Wärme in Ihrem Mund hilft den mittelgewichtigen Herznoten (z.B. Schokolade, Sahne), sich aus dem Dampf zu lösen und sich zu entfalten. Konzentrieren Sie sich auf das Mundgefühl: Ist es cremig, wässrig, trocken?
  3. Schritt 3: Das Ausatmen (Die Analyse): Dies ist der kritischste Schritt. Atmen Sie etwa 50 % des Dampfes sehr langsam durch die Nase aus. Die restlichen 50 % können gleichzeitig durch den Mund entweichen. Durch diesen Vorgang findet die retronasale Analyse statt. Die schweren, stabilen Basisnoten (z.B. Keks, Vanille) und der gesamte Komplex der Herznoten werden an Ihre Geruchsrezeptoren transportiert. Konzentrieren Sie sich voll und ganz auf die Empfindungen in Ihrer Nase. Hier entsteht das vollständige Bild des Tiramisus.

Die folgende Visualisierung zeigt eine Person, die den entscheidenden dritten Schritt ausführt – das kontrollierte, langsame Ausatmen, das die Aromen zur Analyse an die Nase liefert. Es ist dieser Moment der Konzentration, der den Unterschied ausmacht.

Seitliches Porträt einer Person beim kontrollierten Ausatmen von Dampf in drei sichtbaren Phasen

Wiederholung und Konzentration sind der Schlüssel. Führen Sie diese Technik mehrmals hintereinander durch und versuchen Sie bei jedem Durchgang, eine weitere Nuance zu entdecken. Schließen Sie die Augen, um visuelle Ablenkungen zu minimieren und sich voll auf Ihren Geruchs- und Geschmackssinn zu fokussieren. Mit der Zeit wird dieser Prozess zur zweiten Natur.

Vordernote vs. Herznote vs. Basisnote: Wie Sie die 3 Aromenphasen schmecken?

Das theoretische Wissen um die Aromenpyramide wird erst dann wertvoll, wenn wir es praktisch anwenden. Wie können wir gezielt nach den drei Phasen in unserem Tiramisu-Liquid suchen? Neben der 3-Schritt-Technik gibt es einen weiteren entscheidenden Faktor, den Sie aktiv beeinflussen können: die Leistung Ihrer E-Zigarette, also die eingestellte Wattzahl.

Wie wir in der Tabelle gesehen haben, benötigen unterschiedliche Aromamoleküle unterschiedliche Verdampfungstemperaturen. Eine niedrigere Wattzahl erzeugt weniger Hitze. Das begünstigt die leichten, flüchtigen Kopfnoten, während die schweren Basisnoten möglicherweise im Hintergrund bleiben. Erhöhen Sie die Wattzahl, verdampfen die schweren Moleküle der Basisnote stärker und treten in den Vordergrund, können aber gleichzeitig die zarten Kopfnoten „verbrennen“ oder überdecken. Es gibt also einen „Sweet Spot“ für jedes Liquid, bei dem die Aromenpyramide am ausgewogensten erscheint.

Erfahrungen aus der Dampfer-Community zeigen, dass bereits eine Differenz von 20-30 Watt die Balance zwischen den Kopf- und Basisnoten eines Liquids komplett verschieben kann. Dies erklärt, warum dasselbe Liquid in verschiedenen Geräten oder bei unterschiedlichen Einstellungen drastisch anders schmecken kann. Experimentieren Sie gezielt damit:

  • Niedriger Wattbereich: Suchen Sie hier gezielt nach den flüchtigsten Noten. Bei unserem Tiramisu könnte das ein Hauch von Mandellikör oder eine leicht zitrische Note sein, die schnell verfliegt.
  • Mittlerer Wattbereich: Dies ist oft der Bereich, in dem die Herznoten – Kaffee und Kakao – am präsentesten und klarsten sind, ohne von der Süße der Basisnote erdrückt zu werden.
  • Hoher Wattbereich: Hier entfalten die schweren Moleküle ihre volle Kraft. Die cremige Süße der Mascarpone und die teigige Note des Biskuits werden dominant und sorgen für einen langen, vollmundigen Nachgeschmack.

Indem Sie die Wattzahl bewusst variieren und Ihre Beobachtungen im Aromen-Tagebuch festhalten, lernen Sie nicht nur das Liquid, sondern auch Ihre Hardware als Werkzeug zur Geschmacks-Dekodierung zu verstehen und zu meistern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Geschmack ist eine Fähigkeit, kein Zufall: 80 % der Aromenwahrnehmung findet in der Nase statt (retronasale Olfaktion) und kann trainiert werden.
  • Die 3-Schritt-Technik (Einatmen, Halten, Ausatmen durch die Nase) ist die Grundlage, um die verschiedenen Aromenphasen eines Liquids zeitlich zu trennen und einzeln zu analysieren.
  • Ein Aromen-Tagebuch ist das effektivste Werkzeug, um die eigene Wahrnehmung systematisch zu schulen und Fortschritte messbar zu machen.

Wie süße Gebäcknoten wie Butterkeks und Zimtschnecke Kindheitserinnerungen wecken?

Das sensorische Training und die technische Analyse von Aromen sind nur eine Seite der Medaille. Der wahre Zauber des bewussten Schmeckens liegt in der emotionalen Resonanz, die bestimmte Düfte in uns auslösen können. Insbesondere süße Gebäcknoten haben die fast magische Fähigkeit, uns auf eine Zeitreise in unsere Vergangenheit zu schicken. Der Grund dafür liegt tief in der Architektur unseres Gehirns.

Der Geruchssinn ist der einzige unserer fünf Sinne, der eine direkte, ungefilterte Autobahn zum limbischen System besitzt. Dieses Hirnareal ist die Zentrale für Emotionen (Amygdala) und Langzeitgedächtnis (Hippocampus). Während andere Sinnesreize erst rational verarbeitet werden, trifft ein Geruch direkt ins emotionale Herz. Dieser neurologische Kurzschluss ist als „Proust-Effekt“ bekannt – benannt nach dem Schriftsteller Marcel Proust, bei dem der Geschmack einer Madeleine eine Flut von Kindheitserinnerungen auslöste.

Ein führender deutscher Wissenschaftler erklärt diesen Zusammenhang eindrücklich. Wie Prof. Dr. Reiner Hanewinkel in einer IFT-Nord Aromenstudie ausführt, ist diese Verbindung besonders stark bei Düften, die wir in unserer Kindheit gelernt haben:

Die direkte, ungefilterte Verbindung vom Riechkolben zum limbischen System – Amygdala für Emotionen, Hippocampus für Erinnerung – macht Gebäckaromen zu emotionalen Zeitmaschinen. Der Spekulatius zur Adventszeit oder das Vanillekipferl aus der Weihnachtsbäckerei triggern sofort Kindheitserinnerungen.

– Prof. Dr. Reiner Hanewinkel, IFT-Nord Aromenstudie

Wenn Sie also in Ihrem Tiramisu-Liquid plötzlich die Kaffeetafel bei Oma am Sonntagnachmittag oder den Duft der Weihnachtsbäckerei wiedererkennen, ist das keine Einbildung. Es ist das Ergebnis Ihrer neu geschärften Wahrnehmung, die es diesen spezifischen Aromamolekülen erlaubt, die Tür zu Ihrem Gedächtnis aufzuschließen. Die Fähigkeit, einzelne Noten zu identifizieren, verwandelt das Dampfen von einem reinen Genussmittel in ein Werkzeug zur Wiederentdeckung längst vergessener Gefühle und Momente. Es ist die ultimative Belohnung für Ihr sensorisches Training.

Beginnen Sie noch heute mit Ihrem sensorischen Training. Wählen Sie ein komplexes Liquid wie Tiramisu und wenden Sie die hier vorgestellten Techniken bewusst an, um nicht nur zu schmecken, sondern wirklich zu erleben.

Geschrieben von Lisa Becker, Lisa Becker ist E-Zigaretten-Fachberaterin und Produktspezialistin mit 12 Jahren Erfahrung in der Dampf-Branche. Sie leitet ein spezialisiertes Fachgeschäft für E-Zigaretten und berät täglich Umsteiger von Tabak auf E-Zigaretten bei der Auswahl von Geräten und Liquids.